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Für den Maler Victor Hugo war die Melancholie "das Vergnügen, traurig zu sein". Auch von Heinrich Heine wurde die Melancholie als unerfüllbare Sehnsucht hymnisch gefeiert. "Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin" fragte sich der deutsche Dichter. In der Medizin galt dauerhafte Traurigkeit hingegen schon in der Antike als Krankheit. Depression aber muss keine lähmende Krankheit sein. In der Traurigkeit steckt oft eine produktive Kraft. Die Therapeuten der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Gütersloh wissen darum und gehen mit ihren Patienten auf künstlerische Entdeckungsreise im Tal der Tränen.
Mit Pinsel und Farben malen sie sich das Blei von der Seele. 74-Jährige fangen erstmals in ihrem Leben an, Zeichnungen zu fertigen.  Ausländische Männer üben sich im Modellieren von Ytong-Steinen. Und Mütter greifen zur Wasserfarbe, um eine Welt auf Papier zu bannen, wie sie es sonst nur ihren Kindern am Küchentisch gelehrt haben. Ihnen allen gemein ist der Gedanke, nicht gut genug zu sein, in dem, was sie künstlerisch erarbeiten.

 

 


Diese Sorge wird auf der langennachtderkunst ausgeblendet, denn es geht um mehr. Der kreative Prozess schließt die Tür zu verschütteten Gefühlen auf, hilft den Kranken, die seelischen Qualen auszudrücken. Die Kunst wird zur Brücke für das Verständnis der Krankheit. Und davon profitiert nicht nur die Zusammenarbeit von Patient und Therapeut, auch Gesunde können einen Blick in die Seelenwelt der Kranken werfen und davon lernen.
Die Neue Westfälische zeigt Arbeiten aus der Patiententherapie der Westfälischen Landesklinik. Zahlreiche Bilder und Skulpturen geben an diesem Abend Einblick in eine Welt, die keineswegs nur düster ist. Daneben beleuchten Manuskripte, Dokumente und Lebensläufe den Gemütszustand der Depression.  Als Ansprechpartner werden sowohl Therapeuten als auch Patienten der Landesklinik zugegen sein. Und wer möchte, darf auch selbst kreativ werden. Die Ergotherapeuten reichen Pinsel und Farbe und sorgen für einfach bewegende Momente in der Münsterstraße 46.  

 
         
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